Zum Abschluss des Jahres starten wir eine Kooperation mit 90Plus, die uns im neuen Jahr monatlich den “Aufreger des Monats” beschert. FanQ-User reichen in der App ihre eigenen Vorschläge ein, im Anschluss wird abgestimmt. Dann bringen wir euch das Geschehene ausführlich näher. Passend zum Jahresabschluss gibt es jetzt aber erst einmal den Aufreger des Jahres 2019.

 

Allgemeine Aufreger: Rassismus, Katar und der VAR

Gastbeitrag von 90Plus-Redakteur Julius Eid: Der Fußball ist ein riesiges Geschäft und hat jedes Jahr mit Widrigkeiten verschiedenster Natur zu kämpfen. Korruption in den Verbänden, Rassismus in den Stadien und Veränderungen der Spielregeln haben Einfluss auf das schöne Spiel und machen es ein Stück weit unschöner. In unser neuen “Aufreger”-Rubrik geht es darum, die Ansicht auf diese Ereignisse aufzuschlüsseln, Aufmerksamkeit darauf zu lenken sowie Diskussionen und Veränderungen anzuregen. All die eben genannten Aspekte schaffen es auch in der Jahresabstimmung in die Top5. So sehen immerhin 9,4 Prozent aller Befragten in der Vorbereitung auf die WM in Katar und den damit verbundenen Arbeitsbedingungen den größten Aufreger 2019. Der Austragungsort steht nicht nur wegen dieser Aspekte in der Kritik, auch die Menschenrechtssituation im Emirat ist immer wieder Grund für Ärger. Ein großes Thema 2019 landet in der Abstimmung zudem auf dem Treppchen. Rassismus im Fußball. Was sich schon in den letzten Jahren nicht nur im Fußball, sondern auch gesamtgesellschaftlich ankündigte, trug in diesem Jahr die hässlichen Blüten. Sei es beim Nationalspiel der Engländer in Bulgarien, bei vielfachen Vorfällen in der Serie A oder zuletzt in der Premier League. Rassistische Schmähungen haben Hochkonjunktur und regten 19,7 Prozent der Befragten am meisten auf.

Nur ein Thema konnte für noch mehr Ärger sorgen. Der Videobeweis und die oft damit verbundene Handspielregel besetzen Platz 1 und 2. Mit 21,1 Prozent der Votes für die Handspielregel und 29,6 Prozent für den VAR selbst sahen mehr als die Hälfte aller Befragten den größten Aufregen 2019 in diesem Bereich. Eingeführt um das Spiel fairer zu machen, krankt der Videobeweis weiterhin in vielen Bereichen. So sorgen unter anderem lange Spielunterbrechungen für Ärger, haben Einfluss auf den Ablauf eines Spiels. Und das obwohl Fußball im Gegensatz zu anderen Sportarten wie zum Beispiel Football als fließender Sport erdacht wurde. Die langen Unterbrechungen verändern das Spiel wie wir es kennen und nehmen ihm viel von der Dynamik. Auch das Stadionerlebnis ist ein anderes. Tore können meist erst nach Überprüfung wirklich bejubelt werden, andere werden aberkannt, ohne die nötige Transparenz für den Zuschauer vor Ort mitzuliefern. Der unmittelbare Euphorieausbruch eines Jubels leidet.

Der VAR gleicht seine Schwächen nicht mit Nutzen aus

Doch nicht nur für den Zuschauer verändert sich durch den VAR mehr als viele vielleicht zuvor erwarteten. Auch das Spiel selber verliert nicht nur an Fluss. Viele Situationen werden nun anders bewertet, da eine Zeitlupe zur Verfügung steht, ultimativ wird dadurch jeder Spieler anders “erzogen”. So führen Berührungen im Strafraum öfter zu Elfmetern. Erstens weil eine Superzeitlupe viele Situationen deutlich dramatischer erscheinen lässt als sie in Realgeschwindigkeit waren, und zweitens eben weil die Angreifer selbst nun einen deutlich höheren Anreiz haben jeden Kontakt anzunehmen. Nicht unbedingt wünschenswert. Gleiches gilt natürlich auch für das Handspiel. Eine Regel die in den letzten Jahren so viele Veränderungen erfahren hat, dass sich fast jeder Trainer und Spieler mittlerweile ratlos zeigt, wenn es um die Bewertung von Situationen geht. An sich schon ein Ärgernis, welches durch den VAR noch verstärkt wird. Denn nun werden auch nicht geahndete Handspiele noch einmal überprüft, obwohl sich wohl niemand beschwert hätte wenn das Spiel einfach weiterlaufen würde. Eine Wechselwirkung die die Absurdität der Situationen noch deutlich verstärkt. Alles in allem also ein rundum verdienter Aufreger des Jahres.

Die Einzelereignisse: Salute und Jatta

Neben diesen allgemeinen Aufregern, hatten die User auch die Möglichkeit über verschiedene Einzelereignisse abzustimmen. Vor allem zwei stachen bei den Ergebnissen heraus. Auf Platz 2 findet sich der Umgang mit der Identität Bakery Jattas. 17,6 Prozent nahmen besonderen Anstoß daran, wie mit dem HSV-Profi und der Frage nach seiner Person umgegangen wurde. Losgetreten durch die BILD-Zeitung begann eine erschreckende Schmierenkampagne, die ohne Beweise unterstellte, die Identität des Offensivspielers sei falsch. Selbst als das Thema für die deutschen Fußballverbände abschließend geklärt war, konnte das Organ des Springer-Verlags nicht aufhören Zweifel zu säen und damit natürlich auch rassistische Ressentiments weiter zu bedienen. Ein trauriges Schauspiel, welches nicht nur neben dem Platz Konsequenzen hatte, sondern auch dafür sorgte, dass der junge Spieler von den Rängen angegangen wurde. Lobend erwähnen muss man in diesem Zusammenhang den HSV, der in der Sache geschlossen auftrat und dem Spieler Rückhalt bot.

Nur ein Ereignis regte die Abstimmenden 2019 noch mehr auf. Der Salutjubel türkischer Spieler. Ein schwieriges Thema, welches durchaus differenzierter betrachtet werden kann, als dies in einschlägiger Berichterstattung der Fall war. Einen riesigen Aufschrei zog es aber ohne Frage nach sich. Denn während die Türkei eine Militäroffensive in Syrien startete, bekundeten die türkischen Spieler, sei es im Dress des Nationalteams oder in Vereinsfarben, ihre Solidarität mit der Armee per Salut nach Torerfolg. Da die Militäroffensive an sich schon umstritten ist und zudem die Regierung Erdogan für wenig steht, was mit der demokratischen Idee vereinbar ist, eine Geste die großen Widerspruch und Kritik hervorrief. Was man allerdings nicht vergessen sollte, ist, dass man eine Aktion wie den Salut nicht immer nur aus seiner eigenen kulturellen Sicht bewerten kann. Es ist leicht jemanden zu kritisieren, wenn man keine Verwandten in einem Land hat, in dem mehrfach nachweislich Willkürjustiz betrieben wurde. Ein Aufreger war es aber alle Mal.

Wollt ihr den nächsten Aufreger mitbestimmen?

Wie schon in der Einleitung beschrieben soll der Aufreger in Zusammenarbeit mit FanQ ein fester, monatlicher Bestandteil unserer Seite werden. Wenn ihr dabei sein wollt, meldet euch einfach bei FanQ an und achtet auf die Abstimmung zum Ende des Monats.

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